Gedenkfeier (23.01.2015)

Siebzigster Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz
Im Rahmen der Präventionsarbeit an der Kaiserpfalz-Realschule plus Ingelheim nimmt die Auseinandersetzung mit Gewalt und Rassismus – historisch und aktuell – einen wichtigen Platz ein.

Alljährlich gedenkt die Kaiserpfalz-Realschule plus mit einer intensiv vorbereiteten Gedenkfeier der Opfer des Nationalsozialismus. Zum siebzigsten Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers in Auschwitz am 27. Januar gestalteten wiederum Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen eine denkwürdige Feierstunde, die von kurzen Sequenzen aktueller Klezmermusik eingerahmt wurde.

Nach der Begrüßung und Einleitung durch die Schulleiterin Frau Sabine Reich und ihrem Appell an eine “wachsame Erinnerung” und an “Toleranz, Zivilcourage und demokratisches Engagement” stellten die Organisatoren ihren Mitschülerinnen und Mitschüler zunächst Fragen wie “Was glaubt ihr, warum wir heute hier sind?”, “Was erwartet ihr von dieser Feier” und “Was wisst ihr über KZs?”. Und sie berichteten eindringlich von ihren eigenen Erwartungen und Eindrücken in Zusammenhang mit ihrem Besuch der Gedenkstätte in Buchenwald im Dezember. Sie beschrieben ihre Beklommenheit beim Betreten des ehemaligen Lagers, ihre vorübergehende Sprachlosigkeit während der Führung, die u.a. in das lagereigene Krematorium, die Genickschussanlage und in die Einzelhaftzellen, den so genannten “Bunker” ging. Sie sprachen auch von ihrem tiefen Mitgefühl, das sie spürten als sie das “warme Mahnmal” berührten. Es ist eine Metallplatte mit den eingravierten Namen von über 50 Nationen. Diese Platte ist das ganze Jahr über auf 37 °C beheizt und soll Wärme an diesem Ort der menschlichen Kälte ausstrahlen.

Mit zunehmender Betroffenheit hörten die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen Ihren Mitschülern zu, erfuhren mehr über die grauenhaften Foltermethoden und die menschenverachtenden “medizinischen Versuche” an inhaftierten Frauen. Sie hörten Aussagen von Zeitzeugen und hörten den Appell des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel, den dieser anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz vor der UNO-Versammlung ausgesprochen hatte und mit dem er vor den Gleichgültigen warnt. Und sie erfuhren auch noch mehr über den Ingelheimer Lehrer Ludwig Langstädter, nach dem die Straße benannt ist, in der ihre Schule steht. In den Abschlussworten wurde der Bogen zu heutigen Ereignissen gespannt, wie zu den Aktionen von Pegida oder auch zu den schrecklichen Ereignissen in Paris. Die Rednerinnen nahmen am Ende nochmals Bezug auf Elie Wiesel: “Wir wünschen uns, dass Ihr untereinander und auch mit Erwachsenen über das Thema sprecht und euch eure eigene Meinung bildet, denn Zuschauen und Nichtstun kann Menschen verletzen und auch töten. Jeden Tag.”

(H. Eiler-Engelhard)

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